Österreichische Küche: Die 15 Klassiker
Stefan
30 décembre 2025

Einleitung: Die österreichische Küche
Die österreichische Küche gehört zu den vielfältigsten und einflussreichsten Europas. Geprägt durch die Geschichte der Habsburgermonarchie vereint sie Einflüsse aus Ungarn, Böhmen, Italien und dem Balkan zu einer einzigartigen kulinarischen Tradition.
Dieser Guide stellt Ihnen die 15 wichtigsten Klassiker der österreichischen Küche vor und gibt Einblicke in ihre Geschichte und Zubereitung.
Die 15 Klassiker der österreichischen Küche
1. Wiener Schnitzel
Das Nationalgericht Österreichs
Das Wiener Schnitzel ist wohl das bekannteste Gericht der österreichischen Küche und ein Muss für jeden Besucher.
Was macht ein echtes Wiener Schnitzel aus:
- Ausschließlich Kalbfleisch (sonst "Schnitzel Wiener Art")
- Dünn geklopft (etwa 4-5 mm)
- Paniert mit Mehl, Ei und Semmelbröseln
- In reichlich Butterschmalz herausgebacken
- Die Panier muss "soufflieren" (sich wellen)
Traditionelle Beilagen:
- Petersilkartoffeln oder Erdäpfelsalat (Kartoffelsalat)
- Preiselbeeren
- Zitronenscheibe
Geschichte: Die Herkunft ist umstritten. Eine Theorie führt das Gericht auf das italienische "Cotoletta alla Milanese" zurück, das im 19. Jahrhundert nach Wien kam.
2. Tafelspitz
Das kaiserliche Sonntagsessen
Der Tafelspitz war angeblich das Lieblingsgericht von Kaiser Franz Joseph I. und gehört zu den edelsten Gerichten der Wiener Küche.
Was ist Tafelspitz:
- Gekochtes Rindfleisch vom hinteren Teil des Rindes
- Zarter, magerer Schnitt mit feiner Fettmarmorierung
- Langsam im Sud gegart (ca. 3 Stunden)
Traditionelle Begleitung:
- Apfelkren (Meerrettich mit Äpfeln)
- Schnittlauchsauce
- Rösti oder Rösterdäpfel
- Wurzelgemüse aus dem Sud
- Kraftsuppe als Vorspeise
Wo Sie ihn probieren sollten: Das Plachutta in Wien ist die legendäre Adresse für Tafelspitz.
3. Gulasch (Saftgulasch)
Ungarisches Erbe in Wien
Das Wiener Saftgulasch unterscheidet sich vom ungarischen Original durch seine reichhaltige, cremige Sauce.
Charakteristika:
- Viel Zwiebeln (etwa gleiche Menge wie Fleisch)
- Reichlich Paprika (edelsüß und scharf)
- Kümmel für die typische Note
- Langes Schmoren für zarte Konsistenz
- Keine Kartoffeln im Gulasch selbst
Varianten:
- Saftgulasch: Nur Fleisch in Sauce
- Gulaschsuppe: Als kräftige Suppe
- Fiakergulasch: Mit Spiegelei, Würstchen und Gurke
- Erdäpfelgulasch: Vegetarische Variante mit Kartoffeln
Beilagen:
- Semmelknödel
- Nockerl (kleine Spätzle)
- Weißbrot
4. Kaiserschmarrn
Die süße Majestät
Der Kaiserschmarrn ist ein zerrissener, karamellisierter Pfannkuchen und einer der beliebtesten österreichischen Süßspeisen.
Zubereitung:
- Lockerer Teig mit Eischnee
- In Butter gebacken
- Mit Zucker karamellisiert
- In Stücke gerissen
- Mit Puderzucker bestäubt
Varianten und Beilagen:
- Klassisch mit Zwetschkenröster (Pflaumenmus)
- Mit Rosinen im Teig
- Apfelmus als Begleitung
- Vanillesauce
Legende: Der Name soll von Kaiser Franz Joseph I. stammen, dem dieses Gericht serviert wurde. Die Kaiserin Elisabeth (Sisi) soll es abgelehnt haben, woraufhin es zum "Schmarrn des Kaisers" wurde.
5. Sachertorte
Das weltberühmte Schokoladenwunder
Die Sachertorte ist wohl die berühmteste Torte der Welt und ein Muss bei jedem Wien-Besuch.
Merkmale der Original Sachertorte:
- Dunkler Schokoladenbiskuit
- Dünne Schicht Marillenmarmelade unter der Glasur
- Spiegelglatte Schokoladenglasur
- Schlagobers (ungesüßte Schlagsahne) als Beilage
Geschichte: Franz Sacher kreierte die Torte 1832 als 16-jähriger Lehrling für Fürst Metternich. Später gab es einen jahrzehntelangen Rechtsstreit zwischen Hotel Sacher und Demel um das "Original".
Wo kaufen:
- Hotel Sacher: "Original Sacher-Torte"
- Demel: "Demel's Sachertorte" (andere Rezeptur)
6. Apfelstrudel
Perfekte Schichten
Der Apfelstrudel ist ein Meisterwerk der österreichischen Backkunst mit hauchdünnem Teig und aromatischer Füllung.
Der perfekte Strudelteig:
- Muss so dünn sein, dass man Zeitung durchlesen kann
- Traditionell von Hand gezogen
- Ohne Hefe, nur aus Mehl, Wasser, Öl und etwas Essig
Die klassische Füllung:
- Äpfel (säuerliche Sorten)
- Rosinen
- Zimt
- Zitronenschale
- Geröstete Semmelbrösel
- Butter
Serviert:
- Lauwarm
- Mit Vanillesauce oder Schlagobers
- Mit Puderzucker bestäubt
7. Tiroler Gröstl
Deftige Alpenküche
Das Tiroler Gröstl ist ein traditionelles Resteverwertungsgericht, das heute zu den Klassikern der Alpenküche zählt.
Zutaten:
- Gekochte Kartoffeln (vom Vortag)
- Rindfleisch oder Schweinefleisch (gebraten oder gekocht)
- Zwiebeln
- Speck
- Kümmel
Zubereitung: Alles wird in der Pfanne scharf angebraten und gebräunt. Serviert wird das Gröstl mit einem Spiegelei obenauf.
Varianten:
- Mit verschiedenen Fleischsorten
- Vegetarisch mit Käse
- Hüttengröstl mit allem, was die Hütte hergibt
8. Käsespätzle
Alpiner Comfort Food
Käsespätzle sind das österreichische und süddeutsche Pendant zu Mac and Cheese - nur viel besser.
Die perfekten Spätzle:
- Weicher Teig aus Mehl, Eiern, Wasser und Salz
- Durch Spätzlehobel oder -presse gedrückt
- In Salzwasser gekocht
Fertigstellung:
- Schichtweise mit geriebenem Käse (Bergkäse, Emmentaler)
- Mit gerösteten Zwiebeln gekrönt
- Im Ofen überbacken oder in der Pfanne geschwenkt
Beilagen:
- Grüner Salat
- Kartoffelsalat
9. Zwiebelrostbraten
Das große Rindfleisch-Fest
Der Zwiebelrostbraten ist ein Klassiker der Wiener Küche und zeigt die Meisterschaft im Umgang mit Rindfleisch.
Zubereitung:
- Hochwertige Rindssteaks (Rostbraten/Rostbeef)
- Scharf angebraten
- Mit Bergen von gerösteten Zwiebelringen gekrönt
- Serviert mit Bratensaft
Beilagen:
- Bratkartoffeln
- Rösti
Variante:
- Esterhazy-Rostbraten: Mit Wurzelgemüse-Sauce und Sauerrahm
10. Leberknödelsuppe
Der traditionelle Vorspeisenklassiker
Die Leberknödelsuppe ist der klassische Auftakt eines österreichischen Festessens.
Die perfekten Leberknödel:
- Rinderleber (fein gehackt oder gewolft)
- Semmelwürfel
- Zwiebeln
- Majoran
- Petersilie
Die Suppe:
- Klare Rindssuppe
- Frische Schnittlauchröllchen
- Ein oder zwei Knödel pro Portion
Varianten:
- Grießnockerlsuppe
- Fritattensuppe (mit Pfannkuchenstreifen)
- Frittatensuppe
11. Kärntner Kasnudeln
Handwerk aus Kärnten
Die Kärntner Kasnudeln sind gefüllte Teigtaschen, deren Herstellung eine wahre Kunst ist.
Die charakteristische Form:
- Halbmondförmige Teigtaschen
- Mit dem "Krendeln" verschlossen (spezieller Randabschluss)
- Jede Familie hat ihre eigene Technik
Füllungen:
- Bröseltopfen mit Minze (klassisch)
- Kartoffeln mit Quark
- Spinat-Quark-Füllung
Serviert:
- Mit brauner Butter übergossen
- Optional mit Schnittlauch bestreut
12. Salzburger Nockerl
Süße Wolken aus Salzburg
Die Salzburger Nockerl sind ein spektakuläres Dessert, das die drei Hausberge Salzburgs symbolisieren soll.
Die Zubereitung:
- Luftiger Eischnee
- Mit Zucker, Mehl und Vanille
- Im Ofen aufgebacken
- Müssen sofort serviert werden (fallen schnell zusammen)
Besonderheiten:
- Außen goldbraun, innen cremig
- Traditionell in ovaler Form mit drei Spitzen
- Mit Puderzucker bestäubt
Wo probieren: In Salzburg in traditionellen Restaurants wie dem Stiftskeller St. Peter.
13. Topfenstrudel
Der elegante Bruder des Apfelstrudels
Der Topfenstrudel ist eine cremige Alternative zum Apfelstrudel und besonders in Wien beliebt.
Füllung:
- Topfen (Quark)
- Rosinen
- Zitronenschale
- Vanille
- Eier und Zucker
Besonderheiten:
- Weniger süß als der Apfelstrudel
- Cremige, leicht säuerliche Note
- Gleicher hauchdünner Strudelteig
Serviert:
- Lauwarm oder kalt
- Mit Vanillesauce
- Puderzucker
14. Wiener Würstchen (Frankfurter)
Die echten Wiener
In Österreich heißen sie Frankfurter, in Deutschland Wiener - ein Kuriosum der kulinarischen Geschichte.
Merkmale:
- Feine Brühwurst aus Schweine- und Rindfleisch
- Im Naturdarm
- Paarweise serviert
- Niemals kochen, nur heiß ziehen lassen
Traditionelle Servierweise:
- Mit Senf (süß oder scharf)
- Kren (Meerrettich)
- Semmel
Die Geschichte: Der aus Frankfurt stammende Metzger Johann Georg Lahner brachte die Rezeptur nach Wien und verfeinerte sie.
15. Marillenknödel
Sommerlicher Klassiker
Marillenknödel sind gefüllte Kartoffel- oder Topfenteig-Klöße mit ganzen Marillen (Aprikosen).
Zwei Teigvarianten:
- Kartoffelteig: Kräftiger, sättigender
- Topfenteig: Leichter, fluffiger
Zubereitung:
- Ganze, entkernte Marille im Teig eingehüllt
- In Salzwasser gekocht
- In gerösteten Semmelbröseln mit Butter gewälzt
Serviert:
- Mit Puderzucker bestäubt
- Oft mit Zucker in der Kernhöhle der Marille
Saison: Juli und August, wenn die Wachauer Marillen reif sind.
Regionale Spezialitäten
Tirol
- Tiroler Knödel
- Kaspressknödel
- Schlutzkrapfen (Spinat-Teigtaschen)
Steiermark
- Steirisches Kürbiskernöl auf Salaten
- Verhackertes (Speckaufstrich)
- Sterz (Buchweizengrütze)
Kärnten
- Kasnudeln
- Reindling (süßes Hefebrot)
- Kärntner Kirchtagssuppe
Vorarlberg
- Kässpätzle
- Riebel (Maisgrieß)
- Vorarlberger Bergkäse
Burgenland
- Krautfleckerl
- Uhudler-Wein
- Fischgerichte vom Neusiedler See
Wo die Klassiker probieren
Wien
Traditionelle Gasthäuser:
- Plachutta: Tafelspitz-Spezialist
- Figlmüller: Riesenschnitzel
- Zum weißen Rauchfangkehrer: Wiener Küche
- Gasthaus Wild: Authentisch und preiswert
Kaffeehäuser:
- Hotel Sacher: Sachertorte
- Demel: Mehlspeisen
- Café Central: Kaffeehauskultur
Salzburg
- Stiftskeller St. Peter: Ältestes Restaurant Europas
- Triangel: Salzburger Nockerl
- Zum Fidelen Affen: Regionale Küche
Tirol
- Berggasthäuser für Gröstl und Knödel
- Hüttengastronomie im Winter
Tipps für die Zubereitung zu Hause
Grundausstattung
Für die österreichische Küche benötigen Sie:
- Große, schwere Pfanne (für Schnitzel)
- Knödeltopf (groß, mit viel Wasser)
- Nudelholz (für Strudel)
- Fleischklopfer
- Kartoffelpresse (für Knödel und Nockerl)
Wichtige Zutaten
Halten Sie diese Zutaten vorrätig:
- Butterschmalz
- Semmelbrösel (fein)
- Kümmel
- Paprika (edelsüß)
- Schnittlauch
- Preiselbeeren
- Topfen/Quark
- Marillenmarmelade
Fazit: Genuss auf Österreichisch
Die österreichische Küche ist weit mehr als nur Schnitzel und Sachertorte. Sie ist das Ergebnis jahrhundertelanger kulinarischer Geschichte und kultureller Einflüsse aus ganz Europa.
Ob Sie nun ein traditionelles Gasthaus in Wien besuchen oder die Klassiker zu Hause nachkochen - die österreichische Küche bietet unvergessliche Geschmackserlebnisse für jeden Anlass.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Wiener Schnitzel und Schnitzel Wiener Art?
Ein echtes Wiener Schnitzel wird ausschließlich aus Kalbfleisch zubereitet. "Schnitzel Wiener Art" kann aus Schweinefleisch oder anderen Fleischsorten bestehen, wird aber nach der gleichen Methode paniert und gebraten.
Warum heißen Frankfurter in Österreich Frankfurter und in Deutschland Wiener?
Der Frankfurter Metzger Johann Georg Lahner brachte die Wurstrezeptur nach Wien und verfeinerte sie dort. In Österreich werden sie nach seiner Heimatstadt benannt, in Deutschland nach dem Ort der Perfektionierung.
Was ist Topfen?
Topfen ist die österreichische Bezeichnung für Quark. Er wird in vielen österreichischen Rezepten verwendet, besonders für Süßspeisen wie Topfenstrudel oder Marillenknödel. In Deutschland kann er durch Quark ersetzt werden.
Welches Öl verwendet man für Wiener Schnitzel?
Traditionell wird Butterschmalz (geklärte Butter) verwendet. Es gibt dem Schnitzel seinen charakteristischen Geschmack und ermöglicht hohe Brattemperaturen. Alternativ kann Schweineschmalz oder neutrales Pflanzenöl verwendet werden.
Was sind typische Beilagen zur österreichischen Küche?
Die häufigsten Beilagen sind: Semmelknödel, Erdäpfelsalat (Kartoffelsalat), Petersilkartoffeln, Nockerl (kleine Spätzle), Preiselbeeren, Apfelkren (Meerrettich mit Äpfeln) und verschiedene grüne Salate.